Als Giotto Bizzarrini 1964 sein eigenes Automobil baute, blieb der Wagen trotz faszinierendem Design und zum Teil Großserientechnik hinter den Erwartungen zurück.
Heute fährt der GT Strada 5300 weltweit in historischen Rennserien selbst gegen so starke Gegner wie den Ford GT40 einen Sieg nach dem anderen ein.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Anno 1961 kam es in Maranello zu einem großen Knall: In einer intensiven, sehr persönlich geführten Auseinandersetzung zwischen Enzo Ferrari und seinen Ingenieuren Giotto Bizzarrini und Carlo Chiti trennten sich deren Wege. Ausschlaggebend war die Konstruktion des Ferrari 250 Breadvan.

Im Februar ´62 gründeten Chiti, Bizzarrini und die anderen ehemaligen Ferrari-Mitarbeiter das Unternehmen Auto- mobili Turismo e Sport, mit dem Ziel, Ferrari sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke Konkurrenz zu machen.

1964 brachte Giotto Bizzarrini mit seiner Automobili Bizzarrini den GT 5300 in geringen Stückzahlen auf den Markt, der historisch und technisch eng mit dem Iso Grifo des Mailänder Sportwagenherstellers Iso Rivolta verwandt ist. Das Auto war als Rennsportversion des Grifo konzipiert und wurde anfänglich als Iso A3/C vermarktet. Nach dem geschäftlichen Aus zwischen Bizzarrini und Iso Rivolta wurde es 1965 zu einem eigenständigen Modell.
Bizzarrini bot den nun GT 5300 genannten Wagen in einer straßentauglichen Version und in einer überarbeiteten, für Motorsporteinsätze geeigneten Ausführung an. Der Produktionsumfang beider Versionen blieb hinter Bizzarrinis Erwartungen zurück. Auch im Motorsport konnte der GT 5300 nicht an die Erfolge des baugleichen Iso A3/C anknüpfen
Der GT 5300 beruht auf einem Halbmonocoque aus Aluminiumblechen. Die hintere Radaufhängung mit einer starren De-Dion-Achse an vier Längslenkern und einem Wattgestänge entsprach der des Grifo A3/L, die vordere mit Kugelumlauflenkung und einzeln an Doppelquerlenkern aufgehängten Rädern war dagegen eigenständig.
Eine Besonderheit des GT 5300 war die Lage seines Motors: Um sein Gewicht möglichst zentral im Fahrzeug zu lagern, setzte Bizzarrini ihn weit hinter die Vorderachse. Das führte dazu, dass einige Teile, unter anderem der Zündverteiler, nur über eine Klappe im Armaturenbrett der Fahrgastzelle zugänglich waren.

Bei allen Modellen verwendete Bizzarrini einen 5,3 Liter großen Small-Block-Achtzylinder von GM, ähnlich dem der Chevrolet Corvette High Performance 340 und bot ihn in unterschiedlichen Bearbeitungs- und Leistungsstufen an. Im Strada wurde üblicherweise Carter- und Holley-Vierfachvergaser verwendet, während die Corsa-Modelle über 4 Weber-Doppelvergaser versorgt wurden. Im Strada erreichte der Motor etwa 365 bhp (272 kW), während für die Corsa-Modelle eine Leistung von etwa 405 PS (298 kW) angegeben wurde.
Der GT Strada 5300 war die am weitesten verbreitete Version des Bizzarrini. Sie trug eine Aluminium-Karosserie, war üblicherweise mit dem 365 PS starken Triebwerk ausgestattet und bot im Innenraum ein Mindestmaß an Komfort. Dazu gehörten seitliche Kurbelfenster, eine Lüftung, die von Fiat übernommen wurde, sowie ein mit Kunstleder bezogenes Armaturenbrett, das in einigen Fällen mit Holz getäfelt war.

Giotto Bizzarrini beim Signieren “seines” ehemaligen Testwagens | Foto: privat
Giotto Bizzarrinis Autogramm | Foto: privat

Der Bizzarrini GT 5300 Strada in unserem Bericht ist der einzigerRechtsgelenkte mit Polyesterkarosserie. Das original Renn-und Werkstestfahrzeug von Giotto Bizzarrini. Der Wagen wurde von ihm u.a. 1966 in LeMans eingesetzt, sowie bei der Mille Miglia und in Sebring. Aktuell kommt das Fahrzeug weltweit regelmäßig bei historischen Rennen zum Einsatz und fährt dabei stets um den Sieg mit. Einige Daten: Fahrgestellnr. BA106, Baujahr 1964, 5.7 Liter Chevy V8, Leistung mehr als genug, 4-Gang-Getriebe, Leergewicht 1.075 kg,
Giotto Bizzarrini wurde am 6. Juni 1926 in Livorno geboren und feiert in diesem Jahr seinen 94sten Geburtstag.

Bericht/Fotos: Guido Strauss