40“, knapp einen Meter, flach, viel Plastik, unkonventionelle Technik, massig Hubraum und jede Menge Krach! So lässt sich der Ford GT40 am Besten beschreiben.
In den Sechziger Jahren brachte er seine Schöpfer und die Gegner auf der Rennstrecke zum Verzweifeln. Heute zählen gut erhaltene Originalfahrzeuge zu den begehrtesten Sammelobjekten weltweit.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Und einige dürfen noch immer das tun, wozu sie bestimmt waren: auf den Rennstrecken rund um den Globus Siege bei historischen Rennen einfahren…
Frei nach dem Motto: „Win on Sunday – sell on Monday!“ beschloß Henry Ford II. im Jahre 1963 den ständig triumphierenden Rennstall von Ferrari zu kaufen um sein Marketing und Image aufzubessern. Doch im Mai ´63 sprang il Commendatore Enzo Ferrari kurzfristig vom Verkauf seines Rennteams ab.

Das konnte der erfolgsverwöhnte Henry nicht auf sich sitzen lassen und entschied sich einen eigenen Rennwagen zu erschaffen um bei den 24h von LeMans zu siegen. Als Prototyp fing Ford an, den GT40 auf die Rennstrecke zu bringen.

GT, abgeleitet von Gran Turismo und die 40 von dem nur 40“ (1 Meter) niedrigen Boliden. Der Prototyp verfügte über einen 4,2 Liter V8 Block aus Aluminium mit Trockensumpfschmierung und Vier 48-IDA-Vergaser der Firma Weber. Der Rahmen des GT war aus Stahl und das Chassie aus GFK, so kam der GT40 auf ein Trockengewicht von lediglich rund 980 Kilogramm.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Nachdem der Prototyp nicht das erreichte, was er sollte, fing Ford 1964 an, den GT40 zu verbessern. Unter der Modellbezeichnung „Mark I“ wurde er ausschließlich für die Rennstrecke gebaut. Den 4,2 Liter aus dem Prototyp bohrte man kurzerhand auf 4,7 Liter auf, um mehr Leistung zu erreichen, womit dieser Block nun 350 PS bei 7000/min und 373 Nm bei 5600/min leistete. Außerdem verfügte er über ein unsynchronisiertes 4-Gang Getriebe.
Beim ersten Anlauf 1964, das 24h-Rennen von LeMans zu gewinnen scheiterte die Truppe um Ford und seine GT40-Armada kläglich. Alle drei startenden Autos schafften es nicht bis ins Ziel. Ein Jahr später das gleiche Bild, auch beim zweitem Anlauf konnten die Amerikaner keinen Sieg einfahren, die Plätze 1-3 gingen wie immer an Ferrari. Noch konnte Enzo in Ruhe abends in Maranello zu Bett gehen…

Im Gegensatz zu dem erfolgshungrigen Ami. Nach dem 24h-Rennen 1965 wusste Ford II., dass er so nie oben mitfahren könne. Daraufhin entschieden die Verantwortlichen mit Hilfe von Carroll Shelby, dem Vater der Shelby Cobra und LeMans Sieger von 1959 den GT40 stärker als je zuvor aufzubauen. Mit dem „Mark II“ schuf man eine echte Waffe.
SIEBEN Liter Hubraum statt den vorherigen 4,7, 485 PS bei 6200/min und stolze 644 Nm Drehmoment bei 4000/min machten aus dem Heckangetriebenen Boliden ein echtes Geschoss! Später gab es noch feinere Abstimmungen am Chassie und so entstand aus dem „Mark II“ der „Mark IV“.

Dann endlich, 1966, schafften die Amerikaner den langersehnten Traum vom Sieg. Henry Ford II. schickte bei dem Rennen Anno 66 dreizehn GT40 ins Starterfeld und landete auf den Plätzen 1-3! Das Ganze erwies sich als ziemlich kostspieliges Unterfangen, ca. 36 Millionen US-Dollar soll Ford in das Projekt investiert haben. Doch all die Zeit und die Investitionen hatten sich rentiert. Für Henry Ford den Zweiten wurde ein Traum wahr, während sich der erfolgsverwöhnte Enzo Ferrari wahrscheinlich nächtelang ruhelos im Bett hin und her wälzte.
Und der GT40 blieb auf der Erfolgsspur. Der 6-malige belgische LeMans Sieger Jacky Ickx triumphierte mit seinem Kollegen Jackie Oliver 1969 in Frankreich und hielt somit die ununterbrochene Siegesserie seit 1966 aufrecht.

Unter der Modellbezeichnung „Mark III“ liefen inzwischen die Serienfahrzeuge vom Band. Insgesamt gab es laut den Amerikanern nur 124 Exemplare des Ford GT weltweit, davon zwölf als Prototypen, zehn „MK IV“ und 94 Serienwagen. Sieben „MK III“ und 31 „MK I“ wurden für die Straße umgerüstet.

Heutzutage gibt es leider nicht mehr allzu viele Exemplare dieses Supersportlers aus den Sechzigern. Wer einen sucht kommt nur ganz schwer ran und muss tief in die Tasche greifen. Bei einer Auktion im April 2014 ging ein GT40 für sage und schreibe 6.927.985 Euro über den Tisch.
Bericht/Fotos: Guido Strauss