Ein Viertürer hat bei Maserati Tradition, ebenso dessen V8-Motorisierung. Zu allem Unglück brachen die Italiener nun mit letzterer. Der Quattroporte steht nur noch mit V6 in der Modellliste. Aber die beiden fehlenden Zylinder lassen sich verschmerzen.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Trauerfälle gibt es nicht nur zwischenmenschlich, auch so manch ein Autohersteller kann bei einem echten Autoenthusiasten einen Weinkrampf auslösen.

Maserati etwa. Streichen die Italiener doch tatsächlich bei ihrem Luxusliner für Deutschland den legendären Gänsehaut-V8. Und bieten nur noch zwei Sechszylinder als Diesel und Benziner in V-Form an.

Nachdem meine ersten Tränen getrocknet sind, gebe ich dem Quattroporte trotzdem eine Chance. Zu verlockend ist sein Anblick. Der Dreizack thront im mächtigen Kühlergrill, die Scheinwerfer blicken verkniffen darüber hinweg. Die Front ist schon imposant. Und die Länge von 5,62 m erst recht! Hat man die nach hinten abgeschritten, erwärmt der Anblick der typischen Vierrohr-Anlage sofort wieder das Gemüt. Nur um es einem kurz darauf richtig warm ums Herz werden zu lassen. Denn drückt man den Startknopf des GrandLusso SQ4, erweckt den 3-Liter V6-Twinturbo zum Leben und verpasst ihm per Knopfdruck den entsprechenden Auspuffsound. Vorbei ist es mit der Trauer um den Achter. Irgendwie war das auch zu erwarten, denn der Dreiliter ist eine Entwicklung der Konzernschwester Ferrari.
Unter der Fronthaube galoppieren jetzt 430 italienische Pferdchen und treiben die 1.920 kg Leergewicht in 4,8 Sekunden auf 100. Dank 580 Nm Drehmoment, die bereits bei 2.250 Umdrehungen anliegen, und permanentem Allrad geht das ganze ziemlich schlupffrei vonstatten. Die 8-Gang-Automatik lädt perfekt einen Gang nach dem anderen durch, wer lieber manuell eingreift, der zieht an den Lenkradpaddels. Seine Grenze erreicht der fliegende Dreizack auf vier Räder erst bei 288 Sachen. Erstaunlich ist sein Verbrauch. Maserati gibt einen Durchschnitt von 12 Liter an. Das passt. Mit etwas Zurückhaltung kamen wir sogar unter die magische 10-Liter-Marke, allerdings auf Kosten des Fahrspaßes.
Von der Fahrwerksseite her legt der Maserati einen Spagat zwischen sportlich und komfortabel hin. Stets gut kontrollierbar, ist im Ernstfall auf die serienmäßige Brembo-Bremsanlage voll Verlass.

Foto: Maserati

Der GranLusso interpretiert bei Maserati puren Luxus und startet mit Fast-Vollausstattung bei 117.200,- Euro. Dass noch Luft nach oben ist, zeigt die Ausstattungsliste unseres Testwagens. Gesamtpreis Dank Bowers & Wilkins Surroundsystem, Aluschaltwippen, Sitzbelüftung, 360°-Kamera, Applikationen aus Ebano-Edelholz und zwei, drei Assistenzsystemen: 141.700,- Euro. Eine vergleichbare S-Klasse dürfte wohl ein paar Scheinchen mehr verschlingen. Hat aber nicht dieses Charisma.

So gesehen ist der Maserati Quattroporte GranLusso ein faires Angebot, zumal er etwas Besonderes bietet: ein exotisches Auto mit einem Herzen, das aus Maranello stammt. Und den V8 vergessen läßt. Zumindest in Deutschland.

Bericht/Fotos: Guido Strauss