Mit dem I-PACE EV400 beweisen die Engländer, dass ein Jaguar auch ohne seinen typischen Sound richtig Spaß bereiten kann.

In den letzten Jahren haben die Briten kollossal zugelegt, zum einen Dank ihres begnadeten Designers Ian Callum, der ein faszinierendes Modell nach dem anderen entwirft, ganz zu schweigen vom F-TYPE.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Zum anderen legten Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit einen Quantensprung hin. Auch was die Modellpolitik und das daraus resultierende Portfolio angeht, so ist man am Puls der Zeit.

Wie stellt man sich einen Jaguar vor? Auf alle Fälle sollte er in einem aufregenden Design vorfahren. Im Innern sollte er mit edlem britischem Interieur aufwarten, sportlich und doch bequem. Von seiner Leistung erwartet man etwas Besonderes, Kraft und den entsprechenden Ton aus der formschönen Abgasanlage. Die Katze soll schnurren und knurren, beim Beschleunigen soll sich bei den Insassen ein Grinsen im Gesicht breitmachen, das noch Stunden später den Mitmenschen signalisiert: Hey, ich bin gerade in einem Jaguar unterwegs gewesen.

Doch was ist, wenn die neueste Raubkatze aus Coventry in England im Grunde genommen all diese Merkmale vereint, bis auf einen ganz Entscheidenden: den typischen Jaguar-Sound?
Ist ein Jaguar ohne Fauchen noch ein Jaguar? Vor allem, macht er noch Spaß?
Der neue I-PACE wirft diese Fragen auf. Vom optischen Auftritt her ganz klar eine Raubkatze, leicht geduckt, angriffslustige Front und den Hintern in hab-Acht-Stellung. Der I-PACE kauert auf dem Asphalt.

Einsteigen. Erster Gedanke: Was für eine Hammerbestuhlung. Die SItze sehen nicht nur unglaublich sportlich aus, sie sitzen perfekt wie ein Neoprenanzug. Sie umarmen einen förmlich. Cockpit? Ein Jaguar der Neuzeit, mit viel Display und Informationen.
Startknopf gedrückt. Zack, da ist der Moment der Sehnsucht. Nach dem Jaguar-Ton. Automatikknopf auf „D“ und die 2,2 Tonnen kommen in Fahrt. Aber frag nicht wie! In 4,8 Sekunden katapultiert es einen auf die obligatorischen 100 km/h und schiebt weiter und weiter bis zu 200 Stundenkilometer wenn es erforderlich sein sollte. Die Wehmut über den Mangel an Sound ist verschwunden, Euphorie macht sich breit. In etwa so breit wie das Grinsen im Gesicht. Zwei Permanentmagnet-Elektromotoren liefern 294 kW/400 PS, mit einem Drehmoment von 696 NM ab 0 (in Worten: NULL) Umdrehungen. Das bedeutet Kraft in jeder Lebenslage.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Gut, die Längsbeschleunigung macht ihn zum Jaguar, aber auch in Kurven braucht er sich vor seinen Artgenossen nicht zu verstecken. Er klebt und giert nach jeder neuen Serpentine. Verdammt, macht diese Duracell-Katze Spaß!

Verbrauchstechnisch liegt der I-PACE nach neuestem WLTP-Standard kombiniert bei 24,2 kWh/100km. Die 90 kW-Lithium-Ionenbatterie soll demnach für eine Reichweite von 470 km gut sein. Zum Aufladen benötigen die Akkus bei 0-80% und 50 kW Gleichstrom (etwa an der Schnelladestation an der Metro Koblenz) rund 85 Minuten.

Für den I-PACE ruft Jaguar sozusagen einen Stromgrundpreis von 77.850,- € auf.
Fazit: Ja, der neue I-PACE erfüllt die Erwartungen an einen Jaguar, der Fahrspaß macht den mangelnden Sound wett. Zwar 100% elektrisch, aber 100% Jaguar!

Bericht/Fotos: Guido Strauss