Als günstigere Alternative zum brachialen McLaren 720S Spider bietet sich der 570S Spider aus der Sports-Serie an. Wer glaubt, damit weniger Fahrspaß zu bekommen, der irrt gewaltig…

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Aller schönen Dinge sind Drei – das Gefühl überkommt einen, wenn man den McLaren 570S Spider das erste mal in Natura erlebt.

Nach der Einführung der beiden geschlossenen, zur “Sports Series” gehörenden Varianten, 570 S und GT komplettiert die offene Version des 570 S den flotten Dreier aus Großbritannien.

Der erste Eindruck? Da kauert er nun mit einer Höhe von nur 1,20 m und lediglich 1.359 kg Leergewicht in Curacao Blue auf dem Asphalt. Optisch ist kaum ein Unterschied zu seinen geschlossenen Artgenossen auszumachen, das elektrohydraulische Hardtop liegt über der Fahrgastzelle, öffnet und schließt sich in nur 15 Sekunden.

Flügeltür (die Briten bezeichnen sie als Butterfly Doors) auf, einmal rundum geschaut ob einen niemand beobachtet und mit einem mehr oder weniger geschickten Hüftschwung rein in die perfekten Sportsitze. 1,98 m passen rein, einfach weil sie es müssen.

So, der Sportleranzug paßt, nun machen wir uns mit dem Cockpit, sprich dem Vergnügungscenter vertraut. Spartanisch und übersichtlich ist alles auf den Fahrer ausgerichtet. Die Carbon-Keramikbremsanlage mit 394 mm Durchmesser, verlangt einen festen Tritt, Startknopf gedrückt und schon brüllt der 3.8 Liter große V8-Biturbo mit seinen 570 PS im Rücken los, brabbelt herrlich betörend bei rund 800 U/Min im Leerlauf und wartet darauf, dass mit der rechten Schaltwippe am Alcantaralenkrad der erste Gang des 7-Gang-Doppelkupplunggetriebes einrastet. Doch bis wir ihm das Vergnügen zuteil werden lassen, widmen wir uns zuerst den beiden kleinen Drehschalter in der Mittelkonsole. Sie entscheiden über Spaß, Extase oder volle Dröhnung, denn mit ihnen lassen sich Handling- und Antriebsperformance einstellen.

Im Trackmodus (alternativ stehen “Normal” und “Sport” zur Verfügung) geht es in irrwitzigen 3,2 Sekunden von 0 auf 100, die 285er Hinterreifen verbeißen sich in der Straße, aus den beiden Auspuffrohren rotzt alles raus, was der V8 hergibt. Das Konzert, das sich dann abspielt, sobald man dem Spider die Sporen gibt, ist für jeden Autoverrückten ein Ohrenschmaus, ein Symphonieorchester aus Ansaugtrakt, Verbrennung und Metall (optional auch aus Titan). Im Grunde schreit der McLaren die ganze Fahrfreude raus, die er dem Piloten vermittelt. Tunnel werden so zu Konzertsälen.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Nach ca. 9 Sekunden zeigt der Tacho 200 km/h und selbst dann beschleunigt der Engländer als gäbe es kein Morgen mehr. 600 Nm sind 600 Nm, das demonstriert er in jedem Gang. Bis Tempo 300 (in 24,6 Sekunden) nimmt er dem Platzhirschen Porsche 911 Turbo S sage und schreibe 5 Sekunden ab. Erst bei 328 Stundenkilometer (offen bei 315) ist Feierabend, aber wo will man die auch fahren? Zu wissen, dass man es kann, ist ein geiles Gefühl, es umzusetzen ist ein anderes Thema. Hier muß fairerweise auch erwähnt werden, dass unter solch extremen Fahrbedingungen bis zu 16 Liter auf 100 Kilometer verbrannt werden. Aber er ist jeden Tropfen wert…

Der Spider verleitet aber auch zum coolen Cruisen. Für den Alltag ist “N” perfekt, hierbei schafft es der Mc angenehm und ohne großes Holpern den Straßenbelag, der nur wenige Zentimeter unter dem Gesäß vorbeirauscht und seine Unebenheiten mitteilen möchte, zu ignorieren. In diesem Fahrmodus überrascht er mit einem weiteren positiven Verhalten: bei moderater Fahrweise genehmigt sich der Brite ungelogen zwischen 8 und 10 Liter Sprit. Moderat heißt hier, Autobahntempo zwischen 150 und 180, dabei gelegentlich mal drauftreten und die 250 ankratzen. Hier haben die Ingenieure in Woking fantastische Arbeit geleistet. Im Stadtverkehr sind 11 Liter realistisch, und auch das stempelt den 570 nicht als Säufer ab.

Foto: Guido Strauss | automedien.de

Selten durfte ich ein Auto fahren, dass einem solch ein sicheres Gefühl in jeder Fahrsituation vermittelt. Natürlich hat der ganze Spaß auch seinen Preis. Inclusive sehr guter Serienausstattung bekommt man den McLaren 570 Spider ab 208.975 Euro. Ach ja, Kofferraum bietet der McLaren auch: 150 Liter unter der vorderen Haube und weitere 52 Liter bei geschlossenem Dach im Tourneau hinter den Insassen. Und für alle Zahlen- und Umweltfetischisten sei erwähnt, dass der Co2 Ausstoß mit 249 g/km angegeben wird, Euro 6 ist selbstverständlich.

Bericht/Fotos: Guido Strauss/Nico Strauss